Abschlusserklärung zum Deutsch-Georgischen Bildungssymposium in Wien 2018

Wien, 24. Und 25. November 2018, Stephanisaal der Erzdiözese Wien

Internationales Symposium

„Bildung – Wessen Verantwortung ist es? – historische, rechtliche und weltanschauliche Aspekte“

 

Deklaration der Teilnehmer (einstimmig angenommen)

 

Am 24. und 25, November 2018 hat in der österreichischen Hauptstadt Wien das internationale Symposium „Bildung – Wessen Verantwortung ist es? – historische, rechtliche und weltanschauliche Aspekte“ stattgefunden. Veranstaltet wurde es in der Zusammenarbeit von dem in der BRD wirkenden „Professoren Forum“, der „Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste“, „Christliche Solidarität International Österreich“, der „Universität der Hl. Königin Tamara des Georgischen Patriarchats“ und dem „Internationales Zentrum für christliche Forschungen an der Georgischen Orthodoxen Kirche“. 

Wir, die Teilnehmer des Symposiums, haben die kulturelle und religiöse Spaltung von Westen und Osten zu überwinden versucht. 

Gemeinsam wenden wir uns an die Vertreter der Zivilgesellschaft und die Regierungen aller Länder mit christlicher Tradition.

Uns, die Teilnehmer des Symposiums, vereinigt die gemeinsame Idee, dass eine der wichtigsten Aufgaben des Bildungsprozesses die Erarbeitung der weltanschaulichen Grundlagen ist. Bildung soll die Orientierungspunkte liefern, die uns helfen, die Umwelt, unsere kulturelle, soziale wirtschaftliche und politische Umgebung auch nach christlichen Wertvorstellungen zu beurteilen und den existenziellen, sittlichen Sinn unserer persönlichen Handlungen zu finden.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts hat die säkulare Gesellschaft angefangen, aus dem öffentlichen Raum religiöse Werte und religiöse Bildung zu vertreiben. Die säkulare Bildungskonzeption beruht auf der Ansicht, dass der menschliche Verstand alle in der Welt existierenden Geheimnisse lösen und dementsprechend auch alle gesellschaftlichen Probleme regeln kann. 

Die Fragen der Existenz Gottes, der Unsterblichkeit der Seele und des höchsten Lebenssinnes jedes einzelnen Menschen liegen außerhalb des Kompetenzbereiches der säkularen Wissenschaften. Die Legitimität solcher Fragen wird von der säkularen Bildungskonzeption bezweifelt, obwohl sie uns gleichzeitig eine eigene Sicht zur Entstehung der Welt und des Menschen, wie auch deren Wesen anbietet. Solche Wissenschaftsgläubigkeit verlässt die Grenzen und Möglichkeiten der Naturwissenschaften, und wird zu einem praktisch neuen weltanschaulichen Paradigma. 

Dieses wurde von den europäischen Ländern, die vom Säkularismus beeinflusst sind, als weltanschaulich neutral anerkannt und wurde zum Grundstein des modernen Bildungssystems. Diese Prinzipien, die auf einer radikal säkularen Ideologie beruhen, widersprechen der klassischen Demokratie, welche die Rechte und Interessen allen Gesellschaftsmitglieder, darunter auch der Gläubigen, institutionell verteidigen, schützen und tatsächlich garantieren soll.

Die UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 29. 1c; UN, 20. November 1989) betont das Recht des Kindes, in seiner kulturellen Identität und seinen kulturellen Werte erzogen zu werden. Gegen dieses Recht im Bildungsbereich verstößt diese radikale säkulare Ideologie grob, indem sie die wertorientierte Richtlinie im Erkenntnisprozess leugnet. 

Der radikale Säkularismus hat Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft verursacht und antireligiösen Radikalismus wie auch religiösen Fundamentalismus gefördert.

Die von den demokratischen Staaten deklarierte weltanschauliche Neutralität verpflichtet Politiker, das Bildungssystem vor dem Einfluss dieses einseitigen Säkularismus zu schützen und damit einen gesunden Boden für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den religiösen und nichtreligiösen gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen.

Wir sind der Meinung, dass das Bildungssystem solche Prinzipien erarbeiten muss, die jedem ermöglichen, sich traditionelle religiöse Werte anzueignen, und die allumfassende, ungerechtfertigt herrschende Position des weltanschaulichen Säkularismus anzuhalten.

Wenn wir in einem sozial-kulturellen Kontext über Kulturgedächtnis sprechen, dann können wir in einer sakralen Dimension auch über ‚Kirchengedächtnis‘ sprechen. Dieses Kirchengedächtnis leistet in Ländern der christlichen Zivilisation die enge Verbindung zwischen der nationalen Identität und den Vergangenheitsbildern, die von einem Volk oder einem Land geschaffen wurden.

Gleichzeitig ist es wichtig, eine Gesamtheit der Werte zusammenzustellen, auf deren Grundlage es möglich wäre, der Gesellschaft die aktuellen Ereignisse mehr oder weniger statthaft und verständlich zu erklären. Dieser Prozess sollte autonom von dem Staat, an verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen und Bildungseinrichtungen, in erster Linie in den Universitäten und Museen verlaufen.

Die Hauptverantwortung einer modernen Gesellschaft ist, von dem Staat die Behebung der im Bildungssystem gegebenen Mängel entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention zu fordern, damit im kulturell-intellektuellen Raum des Landes ungehindert die traditionellen und kulturellen Werte widergespiegelt werden.

 

Wir glauben, dass die Solidarität der in den christlichen Ländern lebenden, auf die traditionellen Werte orientierten Gesellschaft reiche Frucht tragen wird und den Frieden und Wohlstand fördert. 

 

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Die Erklärung wurde von allen Teilnehmern einstimmig angenommen.

 

Teilnehmer:

 

  1. Metropolitan Daniel (Datuashvili) 
  2. Prof. Dr. med. Archimandrite Adam, Königin-Tamara-Universität, Tiflis, ICCS*
  3. Erzbischof Mamuka Tavkhelidze, Tiflis
  4. Tekla Tavkhelidze, Studentin
  5. Nonne Elene - Lali Napetvaridze, ICCS
  6. Dr. Eka Kvachantiradze, Schulrektorin, Tiflis, ICCS
  7. Prof. Alexi Gerasimov, ICCS
  8. Gocha Barnovi, ICCS
  9. Prof. Alexander Daushvili, ICCS
  10. Prof. Giorgi Gvasalia, ICCS
  11. Prof. Teimuraz Buadze, ICCS
  12. Prof. Eldar Bubulashvili, ICCS
  13. Leri Datashvili, Unternehmer, München-Tiflis
  14. Lali Datashvili, Unternehmerin, München-Tiflis
  15. Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter, Internat. Akademie für Philosophie, Liechtenstein
  16. Sebastian Engelhardt, Rektor am Gymnasium der freien christlichen Schule, Lörrach
  17. Prof. Dr. Wolfgang Stock, Medienwissenschaften
  18. MBA Lucas Wehner, Gesellschafter, Heidelberg Institute
  19. Dr. Tamar Grdzelitze, Georgische Botschaft, Rom
  20. Erzbischof Markoz, Russisch-Orthodoxe Kirche, Osteuropa
  21. Mag. Hans-Joachim Hahn, Koordinator des Professorenforums
  22. Mag. Ursula Ortmann, Lehrerin, Graz
  23. Dipl. Ing. Dietwald Ortmann, Ingenieur, Graz
  24. Prof. Dr. Gabriele Bragantini, kath. Bischof-Vikar, Tiflis 
  25. Prof. Dr. Elmar Kuhn, Wien, Europ. Akademie der Wissenschaften und Künste
  26. Prof. Dr. Michaela Hastetter, katholisch-orthodoxes Studienzentrum, Wien
  27. Dr. Giorgi Lomidze, katholisch-orthodoxes Studienzentrum, Wien
  28. Prof. em. P. Dr. Stephan Horn, Passau
  29. Bischof Dositeos Bogveradze, Tiflis

* ICCS = International Centre for Christian Studies at the Orthodox Church of Georgia (http://logos.org.ge/eng/gamgeoba.php)