Evolutionslehre versus Schöpfungslehre

 

Einleitung und Danksagung 

Obwohl die Woher-Frage zu den Grundfragen unserer menschlichen Existenz zählt, ist das offene, unbefangene Gespräch über sie durchaus keine Selbstverständlichkeit. Wer sie thematisiert, betritt gefährliches Terrain. Das Gelände ist vermint, so scheint es, und eine sichere Durchquerung nur dem möglich, der sich einem ortskundigen Guide anvertraut – einem ausgewiesenen (atheistischen) Evolutionstheoretiker am besten. Man sollte sich allerdings nicht wundern, wenn man am Ende eines solchen Ausflugs „ohne Hosen“, d. h. wesentlicher Dimensionen seiner [Selbst]erfahrung als Person entkleidet, dasteht. Hiervon wird noch die Rede sein. In jedem Fall ist es ein Wagnis, sich hierzulande als Theist auf das Gebiet der Ursprungsfrage zu begeben. Dies war auch jenem Gymnasiasten aus Berlin bewußt, der sich im Frühjahr 2002 hilfesuchend an mich wandte, weil er, kurz vor dem Abitur stehend, gebeten wurde, in seinem Biologie-Leistungskurs ein Referat zum Thema „Schöpfung/Evolution“ aus christlicher Sicht zu halten – ein Unterfangen, das für den Vortragenden angesichts der üblicherweise vorzufindenden Konstellationen meist im Debakel endet.[1] Das Skript, das seinerzeit in aller Eile entstand, liegt hier als leicht überarbeitete und erweiterte Version vor. Entsprechend seines ursprünglichen Zweckes stellt es formal und inhaltlich eine Art „Rundumschlag auf engstem Raum“ dar, der zwar sachlich und unaufgeregt, aber hoffentlich nicht uninformativ und langweilig geführt wird. Dabei reklamiere ich für mich selbst lediglich ein Minimum an Kompetenz, nämlich die, halbwegs strukturiert und pointiert einige jener (theistischen) Fachleute zu Wort kommen zu lassen, deren Diskussionsbeiträge viel zu selten Beachtung finden, denen ihre profunde Sachkenntnis ohne bösen Willen aber nicht einfach abgesprochen werden kann. Vielleicht vermag mein kurzer Beitrag wenigstens annähernd das zu leisten, was Dr. Kastowsky (s. u.) über ihn sagt: „Die Zusammenschau erschließt ein an sich recht komplexes Thema und verleitet den Leser hier und da einmal, nähere Details nachzulesen oder seine eigene Sichtweise einzuordnen und zu überdenken.“ 

Ohne die Anregung von Dr. Dr. Matthias Dorn, Hannover, und Mag. theol. Klaus Schmitz, Berlin, wäre mir eine Veröffentlichung dieses Skripts nie in den Sinn gekommen. Ihnen gilt mein besonderer Dank. Des weiteren danke ich zweien meiner früheren, des Theismus eher unverdächtigen Wegbegleiter, die die Mühe einer Durchsicht dieses Beitrags auf sich nahmen und aus gesunder, kritischer Distanz einige wertvolle Verbesserungsvorschläge unterbreiteten: Meiner hochgeschätzten ehemaligen Studienkollegin Dr. Vanessa Gerstung, Berlin, sowie meinem bereits erwähnten ehemaligen Arbeitsgruppenkollegen und Mentor Dr. Manfred J. Kastowsky, Jena. Nicht zuletzt danke ich Titus Müller, Berlin, der mir bei meinem Bemühen um eine solide Orthographie hilfreich zur Seite stand. 

 

Hypothesen und Überzeugungen 

Wenn es um die Ursprungsfrage und die damit verbundenen, z. T. weitreichenden Implikationen (Sinnfrage, Ethik, Menschenbild etc.) geht, stehen sich mit der Evolutionslehre[2] und der Schöpfungslehre[3] i. d. R. keine bloßen Hypothesen und Theorien gegenüber, die ohne den Widerstand ihrer Vertreter beliebig kritisiert werden könnten, sondern es prallen – zuweilen äußerst heftig! – Weltbilder, Überzeugungen, Wahrheits- und Geltungsansprüche aufeinander. Dies ist zwar mitunter bedauerlich, aber durchaus nachvollziehbar und kommt auch in anderen Bereichen der Wissenschaft vor, denn: „Kein Wissenschaftler stellt eine Hypothese auf und wartet dann freudig auf ihre Widerlegung, im Gegenteil: Die Widerlegung ist schmerzlich, und dieser Schmerz ist der beste Indikator für die Überzeugung, von der man sich trennen muß.“[4] Hier deutet sich die soziale, ja sogar die psychologische Dimension des Beweisens und Kritisierens im Wissenschaftsbetrieb an.[5] Es kann daher auch nicht überraschen, daß sich „falsche“ Hypothesen nicht einfach mit ihrer Falsifikation erledigen, sondern daß sie, wie die Wissenschaftsgeschichte zeigt, oftmals erst mit dem Tod ihrer (letzten) Vertreter aussterben.6 Für das Ende „purer“ Überzeugungen dürfte letzteres freilich a fortiori gelten. Wo Überzeugungen schließlich nicht nur entschieden vertreten, sondern verbohrt und in blindem Eifer verfochten werden, sind Fanatiker am Werk, von denen der Immunbiologe und Aphoristiker GERHARD UHLENBRUCK treffend sagt, daß sie sich schon aus Überzeugung nicht überzeugen lassen. 

 

Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Evolutionsforschung und Schöpfungsforschung 

Daß sich Evolutionsforschung und Schöpfungsforschung in ihren Voraussetzungen und Zielen deutlich voneinander unterscheiden, dürfte unbestritten sein. Dennoch zeigen sie eine verblüffend gleichartige innere Struktur.[7] „Beide weisen einen Realitätsbezug auf, innerhalb dessen mit wissenschaftlichen Methoden gearbeitet wird, und beide gründen ihre Aussagen letztlich auf außerwissenschaftliche Prämissen“.[8] So fußt die Evolutionsforschung i. a. auf der Überzeugung, daß es möglich sei, die gesamte Wirklichkeit (inkl. des menschlichen Lebens) rein innerweltlich vollständig zu erklären (Naturalismus), während Schöpfungsforschung die Wahrheit des (freilich zu deutenden) biblischen [Offenbarungs]wortes voraussetzt. Beide Ansätze sind aus wissenschaftstheoretischer Sicht zulässig[9] und können unter Einbeziehung des gesamten Repertoires sowohl der empirischen Wissenschaften (z.B. der Physik, der Chemie und der Biologie, aber auch der Mathematik und der Informatik) als auch der historischen Wissenschaften (z.B. der historischen Geologie, der Paläontologie, der Archäologie oder auch der Geschichtswissenschaft) zur Entwicklung konkurrierender Modelle, Hypothesen und Theorien anregen. Letztere haben sich dann (unabhängig vom zugrundeliegenden Weltbild) zu bewähren und können nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Gütekriterien (Widerspruchsfreiheit, Erklärungskraft, Prognosefähigkeit/Falsifizierbarkeit, Plausibilität, Eleganz/Einfachheit etc.) beurteilt werden.[10]
Seriöse Schöpfungsforschung stellt sich diesen Herausforderungen, indem sie sich nicht einfach mit fundierter Kritik an Evolutionsvorstellungen begnügt (auch Evolutionstheoretiker kritisieren Evolutionstheorien, allerdings ohne die Abstammungslehre im Ganzen zu bezweifeln), sondern sich überdies bemüht, alternative Konzepte, Modelle und Hypothesen zu entwickeln.[11] Die hierfür zur Verfügung stehende manpower (inkl. Forschungsmitteln und Publikationsmöglichkeiten) ist freilich nicht im entferntesten mit jener der Evolutionsforschung zu vergleichen. Um so erstaunlicher ist das Niveau, das vor allem die deutsche Schöpfungsforschung heute erreicht hat. 

 

Aspekte des wissenschaftlichen Diskurses über Ursprungsfragen 

Eine sinnvolle und daher zu begrüßende wissenschaftliche Auseinandersetzung über Ursprungsfragen ist ganz allgemein dort möglich, wo vor dem Hintergrund offengelegter Paradigmen und Weltbilder konkurrierende und vor allem testbare Hypothesen entwickelt werden, die im Rahmen eines Theorienpluralismus in einen vernünftigen und fairen Ideenwettbewerb eingebracht werden können.[12] Dumpfer Dogmatismus und Demagogie, die sich bei Evolutionisten ebenso finden wie bei Kreationisten, sind hierbei kontraproduktiv und aus wissenschaftlicher Sicht abzulehnen.[13] Zwei richtungweisende Beispiele für eine ernstzunehmende Gegenüberstellung evolutionstheoretischer und schöpfungstheoretischer Positionen sind in [26] und [32][14] dokumentiert. Bedauerlicherweise sind solche Begegnungen noch immer äußerst selten, obwohl gerade in Deutschland ein vitales Gesprächsinteresse von seriösen und kompetenten Schöpfungstheoretikern signalisiert wird. Doch selbst, wenn es eines Tages zu dem so wünschenswerten offenen wissenschaftlichen Diskurs über Ursprungsfragen kommen sollte, dürfen drei Dinge keinesfalls übersehen werden: Erstens hat uns die Wissenschaftstheorie des 20. Jh. (POPPER, STEGMÜLLER) darüber belehrt, daß es kein voraussetzungsloses Wissen gibt (d. h.: „Ohne Glauben kein Wissen“), zweitens unterliegt wissenschaftliche Erkenntnis prinzipiell der Vorläufigkeit, und drittens läßt sich Wahrheit weder innerhalb noch außerhalb der scientific community demokratisch (per Mehrheitsentscheid) ermitteln.[15] 

 

Evolutionskritik 

Die Vorstellung, daß heutzutage kein ernstzunehmender Wissenschaftler an der Abstammungslehre zweifle, ja daß „die Evolutionstheorie“ eine unumstößliche Tatsache sei, ist ebenso verbreitet wie falsch.16 Zwar haben Evolutionstheorien in Teilen durchaus manches für sich (was Schöpfungstheoretiker übrigens gar nicht in Frage stellen; SIEGFRIED SCHERER z.B. würdigt ausdrücklich das Verdienst Darwins, „die in der Natur zu beobachtende Variation und Selektion erkannt und überzeugend dargestellt zu haben“[17]), doch – und das ist im allgemeinen unbekannt[18] – Evolutionstheorien haben auch mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Insofern ist Evolutionskritik nicht nur zu erwarten, sondern um der wissenschaftlichen Redlichkeit und des Erkenntnisfortschritts willen sogar zu wünschen. Da auch Evolutionstheorien „nur“ Theorien sind, kann gar kein Zweifel daran bestehen, daß auch sie kritisiert werden können (insbesondere die kausale Evolutionsforschung mit ihrem empirischen Charakter bietet hier ein weites Feld). Und sie werden kritisiert – von Evolutionstheoretikern wie von Schöpfungstheoretikern der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Fachgebiete![19] Im folgenden soll dies anhand einiger ausgewählter Beispiele illustriert werden, nicht jedoch ohne zuvor einen kritischen Blick auf den sog. Evolutionismus zu werfen, der der Evolutionslehre den Status eines Allerklärungsprinzips zuerkennt. 

 

EVOLUTIONSKRITIK[20] 

Kritik am Evolutionismus

Philosophische Einwände gegen den Evolutionismus 

Beispiele:

 

  • Das Problem der Entstehung des wirklich Neuen (Reduktionismus und Präformationismus versus Kreationismus) 
  • Das Problem der Abschaffung der Teleologie 
  • Das Problem des Menschenbildes 
  • Das Problem der logischen Selbstaufhebung des Evolutionismus (und der Soziobiologie)

 

Kritik an Evolutionstheorien

[Natur]wissenschaftliche Kritik an Evolutionstheorien 

Beispiele: 

  • Das Problem der chemischen Evolution
    (hier z. B. die Frage nach der Entstehung der Homochiralität) 
  • Das Problem der spontanen Entstehung von Information 
  • Das Problem der Entstehung irreduzibel komplexer Strukturen/Komponenten/Systeme 
  • Das Problem der fehlenden Übergangsformen
    (missing links)

 

 

I. Kritik am Evolutionismus 

Vor allem Vertreter sog. theistischer Evolutionsvorstellungen[21], darunter renommierte Theologen, Philosophen und Naturwissenschaftler, unterscheiden häufig zwischen Evolutionstheorie und Evolutionismus. REINHARD LÖW etwa schreibt: „Der Evolutionismus ist, kurz gesagt, die Evolutionstheorie als Weltanschauung. Sie unterfängt sich, nicht nur die Hypothese der Veränderung und Verzweigung von Arten über lange Zeiträume zu prüfen, zu falsifizieren oder verifizieren, sie bezieht auch den Menschen restlos ins Evolutionsgeschehen ein, sein Erkennen, seine Moral, seine Kultur, seine Geschichte. Der oberste Grundsatz des Evolutionismus lautet: Alles, was ist, Dinge, Phänomene, Handlungen, ist natürlich erklärbar. Für nichts ist ein Rekurs auf Übernatürliches nötig.“[22] Es verwundert also nicht, wenn Evolutionismuskritik eine Domäne vor allem der Theologen und Philosophen darstellt,[23] da die zu behandelnden Themen und Fragestellungen nicht in den Zuständigkeitsbereich einer wohlverstandenen, sich ihrer Reichweite und Grenzen bewußten Naturwissenschaft fallen. C.S. LEWIS bringt es auf den Punkt: „In seinem glänzenden Essay ‚Das Begräbnis eines großen Mythos‘ schreibt er, wir müssten ‚scharf unterscheiden zwischen der Evolutionslehre als einer biologischen Theorie und dem populären Evolutionismus, [...] der unzweifelhaft ein Mythos ist.‘“[24] Vier grundlegende Probleme des Evolutionismus sollen im folgenden angedeutet werden. 

 

1) Das Problem der Entstehung des wirklich Neuen[25] 

Eine Erklärung des Auftretens von Neuem in der Natur[geschichte][26] ist weitaus schwieriger, als es bei oberflächlicher Betrachtung scheinen mag. „Drei Erklärungstypen sind möglich, und sie sind seit Menschengedenken auch wirklich:“[27] Reduktionismus, Präformationismus und Kreationismus. Eine vierte, der Fulgurationismus (auch: Emergentismus), mündet logisch entweder zurück in den Reduktionismus oder in den Präformationismus (bzw. in den Kreationismus) und soll daher hier nicht behandelt werden.[28] 

 

a) Der Reduktionismus 

Das Problem des Reduktionismus ist, daß hier das Neue gar nicht wirklich neu ist. „Beispielsweise ist [aus reduktionistischer Sicht] ‚Leben‘ gegenüber dem ‚Nichtleben‘ nichts Neues. Von ‚Leben‘ zu sprechen ist nur ‚abkürzende Redeweise zur Kennzeichnung natürlich-chemischer Vorgänge wie Selbstreproduktion, Vererbung, Mutationsfähigkeit. Eine ontologisch eigentümliche Dimension des Lebens anzunehmen ist überflüssig.‘“[29] Leben wäre somit nichts weiter als[30] Materie und Naturgesetz, aus denen aber Leben, Bewußtsein, Wille, Freiheit, Moral etc. nicht konstruiert werden können. Wie einfallslos oder einfallsreich Leben auch immer definiert werden mag:[31] Einzig sicheres Kriterium für Leben ist unser Selbstvollzug desselben inkl. unserer damit verbundenen Erfahrung der Wirklichkeit.[32] Diese [Selbst]erfahrung ist nicht nur prinzipiell uneingeschränkt, sondern auch unhintergehbar. Sie muß als primär gelten. Zunächst einmal leben wir und haben Bewußtsein, und dann erst können wir beginnen zu abstrahieren, zu definieren und zu spekulieren.[33] Der Preis, den der Reduktionismus zu zahlen hat, ist also letztlich der Verlust des menschlichen Selbstverständnisses bzw. die Negierung der Authentizität der menschlichen Selbsterfahrung. Wenn ein Reduktionist nun zugesteht, daß das Neue nicht wirklich neu ist, sondern lediglich eine Konstellation des Alten, so könnte er immerhin noch darauf insistieren, daß die Konstellation neu ist. Doch „wer stellt das fest? Das subjektive Bewußtsein des Reduktionisten oder seine Gehirnmasse? Wenn das zweite zutrifft, dann handelt es sich nur um eine Umgruppierung von Materie im Gehirn ... [und] wer stellt nun diese ‚Neuheit‘ fest? Eine andere Konstellation? Und diese? Fröhlich und erbarmungslos lächelt der infinite, dümmliche Regreß.“[34] 

 

b) Der Präformationismus 

„Auch nach dem Präformationismus gibt es nichts wirklich Neues; hier ist das Neue im Alten schon vorhanden. Beispielsweise muß nach dieser Sicht auch Atomen und Elementarteilchen Freiheit zugeschrieben werden, weil es dieses Phänomen beim Menschen gibt. ... [Damit allerdings] beraubt der Präformationismus die [vonihmeigens]anerkanntenPhänomeneihresSinnes (es hat keinen Sinn, von der Freiheit eines Pflastersteins oder der Moralität einer Kartoffel zu reden).“[35] Im Unterschied zum Reduktionismus erkennt der Präformationismus die Dimensionen menschlichen Lebens (Bewußtsein, Wille, Freiheit, Moral etc.) also an, doch zerrinnen sie ihm sogleich wieder zwischen den Fingern. 

 

c) Der Kreationismus 

Da weder für den Reduktionismus noch für den Präformationismus das Neue wirklich neu ist, handelt es sich bei diesen beiden Erklärungstypen um Scheinerklärungen.[36] Kein Problem mit dem wirklich Neuen hat hingegen der Kreationismus. Hier ist das Neue tatsächlich neu, womit zugleich die „ontologisch eigentümliche“ Dimension des (menschlichen) Lebens voll und bleibend anerkannt wird. Eine Erklärung im Sinne des HEMPEL-OPPENHEIM-Schemas liefert der Kreationismus freilich nicht, da er vom Ursprung, nicht jedoch von der Ursache des Neuen spricht.[37] 

 

2) Das Problem der Abschaffung der Teleologie[38] 

Die naturalistische Sichtweise des Evolutionismus läßt, sofern sie konsequent durchgehalten wird, keinen Raum für teleologisches Denken. Die Frage „Wozu?“ ist in diesem Weltbild gleichsam abgeschafft. Von Zwecken und Zielen zu reden erübrigt sich. Sätze wie „Ich habe meine Freundin heute mit Blumen überrascht, um ihr zu zeigen, wie sehr ich sie liebe.“ können eigentlich gar nicht mehr verstanden werden. Handeln ist nur noch Geschehen, das ausschließlich kausalmechanisch zu erklären ist, so daß der verliebte Blumenfreund (rückwärtsgewandt) auf seinen Hormonstatus, chemisch-physiologische Gesetzmäßigkeiten, seine Entwicklung sowie die Entwicklung seiner Eltern, ja die Geschichte des Lebens, der Erde und des Universums bis hin zum Urknall verweisen müßte. Ob dadurch allerdings verstehbar wird, warum er seiner Freundin Blumen geschenkt hat, mag jeder für sich selbst beurteilen.[39] 

Wer – etwa im Namen der „naturwissenschaftlichen Redlichkeit“ – Teleologie zugunsten von Kausalmechanik grundsätzlich zurückweist, übersieht, daß Naturwissenschaft Treiben handeln bedeutet, daß kausalmechanische Erklärungen stets und von vornherein teleologisch umgriffen sind,[40] und schließlich: daß mit der Abschaffung der Teleologie zugleich auch der Mensch als handelndes Subjekt (nicht nur) der Naturwissenschaft verschwinden würde. „Es ist eine Sache, (mit Recht) zu behaupten, dass die Naturwissenschaften Fragen nach Ziel und Zweck nicht beantworten können; es ist eine ganz andere, Ziel und Zweck selbst als Illusion anzusehen.“[41] 

 

3) Das Problem des Menschenbildes[42] 

Mit den beiden vorangegangenen Abschnitten ist das Problem eigentlich schon umrissen: Die alles entscheidende Frage ist, wie sich der Mensch selbst verstehen will.[43] Gibt es Bewußtsein, Wille, Freiheit, Liebe, Moral, Handlungen etc. wirklich oder sind dies alles nur Illusionen und Epiphänomene? Falls der Mensch nichts weiter als ein (wenn auch hochkomplexes) organisches Konglomerat ist, so ist „jeder[mann] Ausdruck seiner natürlichen Determinationen und Gesetze; Moral, Regeln des Verhaltens, gibt es nur als im Verlauf der Evolution herausselektiert.“[44] Überdies gibt es weder Zweck noch Sinn, und auch die Kategorien „Gut“ und „Böse“ fallen weg. „Konsequente Evolutionstheoretiker ... glauben nicht an einen Zweck oder Sinn der Welt, sondern sehen nur den erbarmungslosen Wettbewerb ums Dasein in der Natur ... Es muß klar gesagt werden, dass die Kategorien ‚Gut‘ und ‚Böse‘ in der Evolution nicht vorkommen, und dass in der Evolution kein Platz für Sentimentalitäten bleibt.“[45] Hier streicht sich der Mensch als freies, sittliches Wesen quasi selbst durch. Daß in einem solchen Weltbild eine weitere entscheidende Kategorie fehlt, die Wahrheit nämlich, macht dem Evolutionismus, unbemerkt von seinen vielen Vertretern, schließlich den Garaus; er erklärt sich sozusagen selbst weg, wie im folgenden zu zeigen ist. 

 

4) Das Problem der logischen Selbstaufhebung des Evolutionismus 

„Das Argument gegen den Wahrheitsanspruch des Evolutionismus ist recht einfach. Gesetzt nämlich, diese Weltanschauung wäre wahr: Wie nimmt sie sich in ihrer eigenen Sicht aus? Zunächst einmal ist sie selbst auch ein Vorkommnis im Verlauf der Evolution, genauer der Evolution des Kognitiven. Sie stellt eine Kombination bestimmter Begriffe (= Informationsmuster des Gehirns) dar, welche von bestimmten Menschenmaschinen hergestellt werden. Diese machen das gemäß ihrer genetischen Determination; es ist näherhin die Überlebensstrategie dieser Menschenmaschinen, die mit dem Aufstellen und Verbreiten der Weltanschauung ihren Selektionsvorteil suchen. Um diesen zu sichern, nennen sie die Weltanschauung ‚wahr‘, auch wenn es vom eigenen Standpunkt aus absolut sinnlos ist. ‚Wahrheit‘ könnte, wenn überhaupt, nur ‚Durchsetzungserfolg‘ bedeuten. Zwar gibt es sogar so etwas wie Diskussionen über den Evolutionismus. Aber das sind dann Versuche zweier oder mehrerer Computer, einander wechselseitig ihre Programme aufzuzwingen. Wäre der Evolutionismus wahr, dann ... könnte und müßte er sogar sich selbst erklären. Die Wahrheit des Evolutionismus besteht letzten Endes darin, daß es so etwas wie Wahrheit überhaupt nicht geben kann, also auch dieser Satz nicht wahr sein kann. Der Evolutionismus ist der gigantisch aufgeblasene Satz des Kreters, der sagt, daß alle Kreter lügen. Wenn er wahr ist, ist er gelogen, und wenn gelogen, dann wahr. Der Evolutionismus ist nichts als der wissenschaftlich angestrichene Ausdruck eines ebenso paradoxen wie radikalen theoretischen Nihilismus.“ [46] 

In leichter Abwandlung eines weiteren Gedankens von LÖW kann man sagen: Der Evolutionismus in seiner eigenen Sicht ist ein natürliches Vorkommnis unter anderen, und deswegen kann aus ihm gar nichts gefolgert oder begründet werden. Er „geschieht“ eben. Zwar ist er theoretisch unwiderlegbar, doch dies ist „kein Anzeichen für Wahrheit, sondern nur für die Freiheit des Menschen, sich selbst zu abenteuerlichen, widerspruchsvollen und aller Erfahrung spottenden Weltsichten bekennen zu können. Nur frei kann sich der Mensch als unfrei bezeichnen.“[47] 

Hinzuzufügen wäre vielleicht noch, daß die hier dargestellte Argumentation ganz analog auch auf die Soziobiologie anwendbar ist.[48] Auch dort läuft alles auf den Satz hinaus: „Ich lüge“. Dieser Satz kann 

weder wahr noch falsch sein.[49] Wir begegnen hierbei dem Lügnerparadoxon, das, wie schon angedeutet, bereits aus der Antike bekannt ist.[50] 

 

II. Kritik an Evolutionstheorien 

Im folgenden sind aus der ganzen Fülle von Problemen, mit denen Evolutionstheorien zu kämpfen haben, einige wenige, besonders gravierende Beispiele herausgehoben. 

 

1) Das Problem der chemischen Evolution[51] 

Es besteht wahrlich kein Mangel an seriöser Literatur sowohl von Evolutions- als auch von Schöpfungstheoretikern, die in aller Deutlichkeit darauf hinweisen, daß die Frage nach der chemischen Evolution bzw. der Abiogenese bis heute völlig offen ist. „Seit über 30 Jahren wird intensiv an Modellexperimenten geforscht, die solche Prozesse im Labor simulieren sollen (Miller, Fox, Dose, Eigen u. v. a.). Die ‚Ursuppentheorie‘ der Entstehung des Lebens hat in Schulbüchern längst als Tatsache Einzug gefunden, obwohl die fortschreitende Forschung dazu immer mehr Anlaß zum Zweifel gibt. Der Evolutionstheoretiker Carl Woese meinte bereits 1980, daß der Gang der Forschung die ‚Ursuppen-Hypothese‘ de facto widerlegt habe ... Der deutsche ‚Ursuppenchemiker‘ Klaus Dose äußerte 1987: ‚Über 30 Jahre nach dem zunächst verheißungsvollen Beginn der Ära der Simulationsexperimente kann man zum eigentlichen Mechanismus der Lebensentstehung kaum mehr Fakten angeben als Ernst Haeckel schon vor 120 Jahren. Man muß leider erkennen, daß ein Großteil der Reaktionsprodukte der Simulationsexperimente dem Leben nicht näher steht als die Inhaltsstoffe des Steinkohlenteers‘ ... Dem Urteil von Woese hat sich inzwischen mancher Autor angeschlossen ... Wir wissen bisher nicht, wie eine erste Zelle aus nichtlebenden Vorstufen durch bekannte natürliche Prozesse hätte entstehen können.[52] 

Es wäre des Guten zuviel, hier etwa noch ausführlich auf das Problem der Entstehung der Homochiralität einzugehen, die als Voraussetzung des uns bekannten Lebens so entscheidend, ja unabdingbar ist. Nur eines sei am Rande bemerkt: Wer je als Chemiker in einem Labor gestanden hat, um asymmetrische Synthesen durchzuführen, weiß, daß man in dieser Angelegenheit nichts dem Zufall überlassen kann! 

Aufgrund der Unmöglichkeit, Mechanismen anzugeben, die plausibel machen könnten, wie Leben aus Nichtleben entstanden ist, hat mancher Forscher (z. B. FRANCIS CRICK) Zuflucht in der These gesucht, daß die Erde mit Leben aus dem All „infiziert“ worden sei (Panspermie-Theorie).[53] Dies verschiebt das Problem der Abiogenese freilich nur und verlagert es in die inzwischen schon sprichwörtlich gewordenen „unendlichen Weiten“ des Weltraums (aus dem Auge, aus dem Sinn?). 

Nach allem, was wir heute wissen, gilt noch immer die (mittlerweile seit 140 Jahren unwiderlegte!) Aussage des brillanten Chemikers und Biologen LOUIS PASTEUR: „Omne vivum ex vivo“ – Lebendes kommt nur aus Lebendem. 

 

2) Das Problem der spontanen Entstehung von Information[54] 

Untrennbar verbunden mit der Frage nach der spontanen Entstehung von Lebendem aus Nichtlebendem ist die Frage nach der spontanen Entstehung von (biologischer) Information. Woher stammt die Information, die in derart atemberaubender Dichte auf so geniale Weise in der DNA gespeichert ist? Im reifen Überblick über seine Forschungsergebnisse resümiert der Informationstheoretiker WERNER GITT: „Es ist kein Naturgesetz, kein Prozess und kein Ablauf in der materiellen Welt bekannt, nach dem in der Materie Information von selbst entsteht.“[55] Und weiter: „Dies ist auch das Ergebnis der siebenten ‚Internationalen Konferenz über Ursprünge des Lebens‘ in Verbindung mit dem vierten Kongress der ‚International Society for the Study of the Origin of Life (ISSOL)‘ in Mainz. Auf solchen Veranstaltungen tauschen Evolutionswissenschaftler aus aller Welt ihre neuesten Erkenntnisse aus. In einem Tagungsbericht über den Mainzer Kongress schreibt K. Dose: ‚Ein weiteres Rätsel bleibt die Frage nach dem Ursprung der biologischen Information, also der Information in unseren heutigen Genen.‘“[56] „Nicht nur Anhänger der Schöpfungslehre vertreten den Standpunkt, daß die Mechanismen der Darwinschen Theorie auch in ihrer modernen Form die Entstehung neuartiger genetischer Information bisher nicht erklären können ... Wir wissen bisher nicht, wie neuartige biologische Information durch bekannte naturgesetzliche Prozesse entstehen könnte.[57] 

 

3) Das Problem der Entstehung irreduzibel komplexer Strukturen/Komponenten/Systeme[58] 

Wie, so ist zu fragen, läßt sich die Entstehung hochgradig synorganisierter, irreduzibel komplexer Strukturen/Komponenten/Systeme evolutionstheoretisch plausibel machen? Gemeint sind hiermit solche Systeme (z. B. Organe, Strukturen, Symbiosen), die einen bestimmten Mindestkomplexitätsgrad erreicht haben müssen, um funktional bzw. nützlich zu sein. Diese Frage läßt sich anhand der verschiedensten Beispiele diskutieren (z. B. am Elektrorotationsmotor von Escherichia coli, am Kannenblatt der Kannenpflanze Nepenthes, am Magen des magenbrütenden Frosches Rheobatrachus silus, an den Gehörknöchelchen der Säugetiere, am Verteidigungsmechanismus des Bombardierkäfers, am Zug bestimmter Vögel u. v. m.).[59] 

CHARLES DARWIN sah im menschlichen Auge einen der stärksten Einwände gegen seine Theorie. „Die Annahme, daß das Auge mit all seinen unnachahmlichen Einrichtungen ... durch die natürliche Zuchtwahl entstanden sei, erscheint, wie ich offen bekenne, im höchsten Grade als absurd.“[60] „Bis heute läßt mich das Auge zittern“, schrieb er im Februar 1860 an seinen Freund, den Botaniker ASA GRAY. 

„Jedes komplexe Organ eines Lebewesens offenbart die Grundschwierigkeit, seine Entstehung auch nur spekulativ verständlich zu machen: Ansätze zur Entstehung eines neuen Organs sind Materialverschwendung, solange das Organ noch nicht so funktionstüchtig ist, daß von einem Selektionsvorteil der Organbesitzer gegenüber den Nichtbesitzern gesprochen werden kann. Materialverschwendung können sich Organismen allenfalls in engen Grenzen erlauben. ... Bei der Neubildung von Organen und Strukturen ist ein Selektionsvorteil meist nur im fertig ausgebildeten Zustand gegeben; unfertige Zwischenformen werden durch stabilisierende Selektionswirkung leicht ausgemerzt. ... Im Evolutionsmodell wird die Nennung eines Selektionsvorteils einer funktionalen Struktur gewöhnlich als völlig hinreichend betrachtet, um die zufällige Entstehung dieser Struktur glaubhaft erscheinen zu lassen. Dabei werden jedoch Entstehungswahrscheinlichkeiten nicht beachtet. Weil sich der biologische Wert von Organen erst aus dem Zusammenspiel vieler verschiedener Funktionen, Organteile und Gene ergibt, wären für die Entstehung zahlreiche kooperativ wirkende Mutationen erforderlich. Solche Mutationen sind unbekannt. ... Der kausalen Evolutionsforschung ist bis heute die Erklärung der zufälligen Entstehung irgend eines Organs nicht gelungen.“[61] 

Kaum leichter dürfte die Frage zu beantworten sein, wie sich die Entstehung einiger ganz erstaunlicher Leistungen, so z. B. des Flugs bestimmter Zugvögel[62], evolutionär plausibel machen läßt. Der sichere Zug des (nicht schwimmfähigen!) ostsibirischen Goldregenpfeifers Pluvialis dominica fulva etwa, der zur Überwinterung einen 88stündigen (d. h. gut dreieinhalbtägigen), 4000 km langen transozeanischen Nonstop-Flug von Alaska nach Hawaii bewältigt, setzt das präzise, optimierte Zusammenspiel so vieler verschiedener Faktoren voraus (Konstruktion, Brennstoffmenge, Navigation, Reisegeschwindigkeit, Flugformation u. a.), daß es einem schier die Sprache verschlägt. „In der Tat ist die navigatorische Leistung, die ohne komplizierte Armaturen, ohne Kompass und Karte und bei sich ständig ändernden Bedingungen von Sonnenstand, Windrichtung, Wolkendecke, Tag-/Nacht-Rhythmus geschieht, ein Wunder ohnegleichen. Bei einem transozeanischen Zug von Landvögeln, wie wir es bei dem Goldregenpfeifer kennen lernten, würde schon eine minimale Abweichung vom Kurs bedeuten, dass die Vögel auf offenem Meer rettungslos zugrunde gehen müssten. Die exakte Einhaltung der Zugrichtung ist nicht eine Sache des Probierens. Der weitaus größte Teil der Zugvögel würde ohne navigatorische Maßnahme das Ziel nie erreichen, und solch einen massiven Verlust könnte keine Art überdauern. Jede irgendwie ins Spiel gebrachte evolutionäre Vorstellung ist hier völlig zu verwerfen.“[63] 

 

4) Das Problem der fehlenden Übergangsformen (missing links

Ebenso offenkundig, wie es trotz der mittlerweile seit Jahrzehnten andauernden intensiven Züchtungsforschung nicht gelungen ist, einen empirischen Nachweis makroevolutiver Prozesse[64] zu erbringen, „fehlen weiterhin und gründlich die Befunde von ‚missing links‘ (welche ausnahmslos logische Gebilde sind, am Schreibtisch ersonnene ‚hopeful monsters‘) ... Stammbäume, besonders des Menschen, müssen immer wieder zu Strichel-Linien Zuflucht nehmen.“[65] „Darwin hat diese Abwesenheit der von seiner Theorie erwarteten Übergangsformen als ihre größte Schwierigkeit angesehen. Der weltbekannte Paläontologe Niles Eldredge (1985) beschreibt die heutige Lage mit den denkwürdigen Worten: ‚Wir Paläontologen haben gesagt, daß die Geschichte des Lebens die Story von der graduellen ... Veränderung unterstütze, obwohl wir die ganze Zeit wußten, daß dies nicht der Fall ist.‘“[66] Besonders kraß tritt das Problem der fehlenden Übergangsformen beim Übergang vom Präkambrium zum Kambrium zutage. „Im ‚Fossilbericht‘ findet sich ... [dort] eine einschneidende Diskontinuität. Ohne fossil dokumentierte Vorstufen tritt in kambrischen Sedimenten eine hochdifferenzierte Tierwelt auf, so dass Schlagworte wie ‚kambrische Explosion des Lebens‘ oder ‚Urknall der Paläontologie‘ aufkamen. ... Die wenigen vorkambrisch überlieferten vielzelligen Organismen eignen sich nach Auffassung der meisten Paläontologen nicht als Vorstufen der Tierwelt des Kambriums. Vielmehr liegt deren Ursprung selbst im Dunkeln.“[67] Doch auch der „Stammbaum“ der Säugetiere weist entscheidende Lücken auf: „Am Beispiel der plazentabesitzenden Säugetiere ... wird deutlich, dass regelmäßig die an der Basis der Fossilüberlieferungen der Säugetierordnungen zu erwartenden Bindeglieder fehlen. Zur Diskontinuität der Fossilüberlieferung der Säugetiere schreibt der Wirbeltierpaläontologe Simpson: Die Überlieferungslücken gelten ‚für alle 32 Ordnungen der Säugetiere. In den meisten Fällen ist der Bruch so scharf und die Lücke so groß, daß der Ursprung der Ordnung spekulativ und viel diskutiert ist ...‘“[68]

 

Naturwissenschaft und christlicher [Schöpfungs-]Glaube 

Auch wenn es nicht Anliegen dieses kurzen Skripts ist, eine Verhältnisbestimmung zwischen Naturwissenschaft und christlichem Glauben vorzunehmen, sollen doch wenigstens einige wenige grundlegende Aspekte zu diesem Thema zur Sprache gebracht werden. 

Zunächst ist zu bedenken, daß eine vernünftige [Natur]wissenschaft nicht umhinkommt, ihre Voraussetzungen und ihren Zuständigkeitsbereich zu reflektieren.[69] Wo dies geschieht, wird wiederum klar, „wovon eine sich ihrer naturwissenschaftlichen Voraussetzungen bewußte Evolutionstheorie nicht handeln kann. Von der ganzen Sphäre menschlicher Sinnphänomene kann sie nicht handeln, von Liebe, Schönheit, Kunst, Glaube und von der Sphäre der Zwecke und Zweckmäßigkeiten in der Natur ebensowenig. All dies wurde am Anfang ja (und berechtigt) ausgeklammert, es gibt hier nichts zu ‚rekonstruieren‘. Das wäre just so, als sähe man bei einer Volkserhebung von der Frage nach der Konfession ab und am Ende stellte man fest, es gebe nur konfessionslose Atheisten im Volk.“[70] 

Auf der anderen Seite gilt für den christlichen Glauben: „Christlicher Glaube ist Glaube an ganz bestimmte Inhalte: Jesus als Gottes Sohn, Erlösung durch seinen Kreuzestod, Auferstehung von den Toten. Die Erfahrungszeugnisse, auf die der Glaube sich gründet, bezeugen Einmaliges, das als solches mit Naturwissenschaft inkommensurabel ist, da diese es mit dem zu tun hat, was ‚in der Regel‘ geschieht. Naturwissenschaft ruht auf den Säulen der Reproduzierbarkeit und Gesetzmäßigkeit. Es gibt aber die Erfahrung von Einmaligkeit, zwischenmenschliche, ästhetische, religiöse Erfahrung, die Erfahrung von ‚Sinn‘. Sie entzieht sich dem eingeschränkten Erfahrungsbegriff der Naturwissenschaften, und doch ist sie nicht weniger real als diese; ja sie gibt erst der spezialisierten Handlungsweise ‚Naturwissenschaft‘ einen Sinn im Lebenszusammenhang, den sie von sich selber her nicht hat. Sie geht allem Messen und Zählen voraus.“[71] 

Der bekannte Biologe und Erkenntnistheoretiker FRANZ M. WUKETITS hat, wie wir weiter oben bereits sahen, mit dem Begriff „Sinn“ so seine Probleme. Für ihn als bekennenden Evolutionisten gibt es keinen Sinn in der Welt. Dennoch gesteht er freimütig zu: „Die ‚minutiös‘ aufeinander abgestimmten Organe und Funktionsweisen eines Lebewesens, sein zweckdienliches Verhalten, und seine Angepaßtheit an die Außenwelt können sehr wohl in Erstaunen versetzen und zu dem Glauben verleiten, dass eine höhere Absicht im Spiel war, ein planender Geist, der sich etwas gedacht hat, als er Ameisen und Elefanten, Bienen und Wölfe und all die anderen unzähligen Kreaturen in die Welt setzte.“[72] Freilich läßt sich WUKETITS zu diesem Glauben nicht „verleiten“. Im Gegenteil: Er lehnt ihn rigoros ab und hält – gleichsam trotzdem – am Naturalismus fest.[73] Dies steht ihm selbstverständlich frei (oder kann er vielleicht gar nicht anders?). Ebenso (bzw. wirklich) frei steht es jedoch dem Christen, aufgrund der unbestritten staunenswerten Natur die Existenz eines „planenden Geistes“ für evident zu halten und daher die Natur inkl. sich selbst als Schöpfung Gottes zu begreifen. SPAEMANN und LÖW verweisen auf das Naheliegende: „Wo Teleologie, da auch Theologie. ... Aus der Ordnung, Schönheit und Zweckmäßigkeit der Dinge auf ihren göttlichen Ursprung zu schließen, liegt so nahe, daß es eher einer Erklärung bedarf, wenn jemand diesen Gedanken nicht denkt.“[74] Damit soll nicht automatisch behauptet werden, daß Evolutionisten, allen voran WUKETITS, nicht in der Lage wären, Evidenzien wahrzunehmen. Gleichwohl ist man an dieser Stelle versucht, BLAISE PASCAL, den großen Naturwissenschaftler und (christlichen) Philosophen zu zitieren, dessen richtungsweisende Gedanken bis heute zum Nachdenken (sic!) herausfordern: „Man muß zu zweifeln verstehen, wo es notwendig ist, sich Gewißheit verschaffen, wo es notwendig ist, und sich unterwerfen, wo es notwendig ist. Wer nicht so handelt, mißachtet die Kraft des Verstandes. Es gibt Menschen, die gegen diese drei Grundforderungen verstoßen, die entweder behaupten, alles sei beweisbar, weil sie nichts vom Beweisen verstehen, oder alles bezweifeln, weil sie nicht wissen, wo man sich unterwerfen muß, oder sich in allen Fällen unterwerfen, weil sie nicht wissen, wo man urteilen muß.“[75] 

 

Literatur 

[1]* BECK, HORST WALDEMAR: Variationen zu einer interdisziplinären Schöpfungskosmologie – Raum-Zeit als informierter Quantenschaum, 1999, Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften Frankfurt am Main 

[2]* BECKERS, EBERHARD / HÄGELE, PETER C. / HAHN, HANS-JOACHIM / ORTNER, REINHOLD (Hrsg): Pluralismus und Ethos der Wissenschaft – 1. Symposium des Professorenforums, 1. Aufl. 1999, Verlag des Professorenforums 

[3] DARWIN, CHARLES: Die Entstehung der Arten, Reclam

[4] ERAßME, ROLF: Der Mensch und die „Künstliche Intelligenz“ – Eine Profilierung und kritische Bewertung der unterschiedlichen Grundauffassungen vom Standpunkt des gemäßigten Realismus, Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, 2002; online abrufbar unter webdoc.sub.gwdg.de/ebook/ra/2004/erassme 

[5]*  GITT, WERNER: Am Anfang war die Information, 3.
überarbeitete und erweiterte Aufl. 2002, Hänssler Verlag 

[6]*  HÄGELE, PETER C.: Physik – Weltbild oder Naturbild?; online abrufbar beim Institut für Glaube und Wissenschaft unter www.iguw.de
(Textsammlung/Naturwissenschaft) 

[7]*  HÄGELE, PETER C.: Tragweite und Grenzen erfahrungswissenschaftlicher Aussagen – Ein Physiker spricht von Gott, 3. Aufl. 1997, Studentenmission in Deutschland (SMD), Marburg; online abrufbar beim Institut für Glaube und Wissenschaft unter www.iguw.de (Textsammlung/Naturwissenschaft) 

[8]*  HÄGELE, PETER C. / MAYER, RAINER: Warum glauben – wenn Wissenschaft doch Wissen schafft?, 1. Aufl. 2003, R. Brockhaus Verlag 

[9] HEMPELMANN, HEINZPETER: Kritischer Rationalismus und Theologie als Wissenschaft – Zur Frage nach dem Wirklichkeitsbezug des christlichen Glaubens, 2. Aufl. 1987, R. Brockhaus Verlag 

[10]*  JUNKER, REINHARD: Ähnlichkeiten, Rudimente, Atavismen – Design-Fehler oder Design-Signale?, 1. Aufl. 2002, Hänssler Verlag 

[11]*  JUNKER, REINHARD / WISKIN, RICHARD: Die ersten Gipfelstürmer – Wie Blumen die Alpen erobern, 1996, Hänssler Verlag 

[12]*  JUNKER, REINHARD / SCHERER, SIEGFRIED: Evolution – Ein kritisches Lehrbuch, 4. Aufl. 1998, Weyel 

[13]*  JUNKER, REINHARD: Leben durch Sterben? – Schöpfung, Heilsgeschichte und Evolution, 2. Aufl. 1994, Hänssler Verlag 

[14] JUNKER, REINHARD: Rudimentäre Organe und Atavismen – Konstruktionsfehler des Lebens?, 1989, Zeit Journal Verlag 

[15]*  KESSLER, VOLKER: Ist die Existenz Gottes beweisbar? – Neue Gottesbeweise im Licht der Mathematik, Informatik, Philosophie und Theologie, 1999, Brunnen Verlag 

[16]*  KESSLER, VOLKER / SOLYMOSI, ANDREAS: Ohne Glauben kein Wissen, «Mathematischer Beweis» der Unvollständigkeit unseres Wissens, 1995, Schwengeler-Verlag 

[17]  KOSLOWSKI, PETER / KREUZER, PHILIPP / LÖW, REINHARD (Hrsg.): Die Verführung durch das Machbare – Ethische Konflikte in der modernen Medizin und Biologie, CIVITAS Resultate Bd. 3, 1983, S. Hirzel Verlag 

[18]  LENNOX, JOHN C.: Grundfragen des öffentlichen Verständnisses von Evolution und Schöpfung; online abrufbar beim Institut für Glaube und Wissenschaft unter www.iguw.de (Textsammlung/Naturwissenschaft) 

[19]*  LENNOX, JOHN: Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvoraussetzungen, 2002, Brockhaus Verlag 

[20]*  LÖW, REINHARD: Die neuen Gottesbeweise, 1997 Bechtermünz Verlag 

[21] LÖW, REINHARD: Evolutionismus in naturphilosophischer Kritik; online abrufbar beim Institut für Glaube und Wissenschaft unter www.iguw.de (Textsammlung/Naturwissenschaft) 

[22]*  PAILER, NORBERT: Geheimnisvolles Weltall – Hypothesen und Fakten zur Urknalltheorie, 2. Aufl. 1996, Hänssler Verlag 

[23]*  PAILER, NORBERT: Neue Horizonte der Planetenerkundung – Unerwartete Ergebnisse durch Weltraumsonden, 4. Aufl. 1999, Hänssler 

[24]*  PASCAL, BLAISE: Über die Religion und über einige andere Gegenstände (Pensées), Übertragen und herausgegeben von Ewald Wasmuth, 10. Aufl. 2001, Lambert Schneider 

[25] RÜST, PETER: Spezielle und allgemeine Evolutionstheorie – Fakten und Spekulation, Beitrag abrufbar beim Institut für Glaube und Wissenschaft unter www.iguw.de (Textsammlung/Naturwissenschaft) 

[26]* SCHARF, K.-H. (Hrsg.): Praxis der Naturwissenschaften Biologie, Heft 6/49, 1.September 2000, 49. Jahrgang, Aulis Verlag Deubner & Co KG 

[27]* SCHERER, SIEGFRIED (Hrsg.): Die Suche nach Eden – Wege zur alternativen Deutung der menschlichen Frühgeschichte, 1991, Hänssler Verlag 

[28] SCHERER, SIEGFRIED: Entstehung der Photosynthese / Grenzen molekularer Evolution bei Bakterien?, 1996, »Pascal« Verlag 

[29]* SCHERER, SIEGFRIED (Hrsg.): Typen des Lebens, 1993, »Pascal« Verlag 

[30] SEIFFERT, HELMUT/ RADNITZKY, GERARD (Hrsg.): Handlexikon zur Wissenschaftstheorie (Studienausgabe), 1989, Ehrenwirth Verlag 

[31] SPAEMANN, ROBERT / LÖW, REINHARD: Die Frage Wozu? – Geschichte und Wiederentdeckung des teleologischen Denkens, Neuausgabe 1985, 2. Aufl., Piper 

[32]* STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN (Hrsg.): Diskussionsbeiträge, Berichte, Informationen; online abrufbar unter www.wort-und-wissen.de (Publikationen/Disk.-Beitr.) 

[33]* STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN (Hrsg.): Schöpfung (o)der Evolution? – Denkansätze zwischen Glauben und Wissen, 3. Aufl. 1998, Hänssler Verlag 

[34]* STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN: Studium Integrale (hierzu gehören u. a. die Monographien [10], [13], [14], [28] und [29]), vgl. www.wort-und-wissen.de (Publikationen/Fachberichte[SI]) 

[35]* STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN (Hrsg.): Studium Integrale Journal; ab 5. Jg. Heft 1 (April 1998) auch online abrufbar unter www.wort-und-wissen.de (Publikationen/SIJ) 

* Nähere Informationen unter mitglied.lycos.de/stanikolassee/buchverz.html; kostenlose Ausleihe beim Nikolasseer Bücherservice möglich (http://mitglied.lycos.de/stanikolassee/buchserv.html) 

 

Internet-Links 

 

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Dipl.-Chem. Clemens J. E. Kahle, Jahrgang 1966, Studium der Chemie und Physik an der Freien Universität Berlin, Chemie-Diplom mit Auszeichnung, Arbeiten zur Wechselwirkung kationischer Substanzen mit Lipopolysaccharid-Monolayern, tätig als freier Dozent im medizinisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Interesse an Philosophie und Theologie, Hobbymusiker (Vokalchor, Blechbläserchor, Arrangements). 

 

 

Fußnoten

[1] Daß dies im Falle des besagten Gymnasiasten anders war, ist wohl ganz wesentlich einer außergewöhnlichen Biologielehrerin zu verdanken.

[2] Der Begriff „Evolution“ (wörtlich: „Herauswälzung“) bezeichnet eigentlich ein „Auswickeln“ und trifft somit gerade nicht das, was gemeinhin unter Evolution verstanden wird, denn „ausgewickelt“ werden kann nur bereits Vorhandenes (vgl. hierzu den Abschnitt „Zur Herkunft des Neuen“ in [13], S. 31f.). 

[3] Die Begriffe „Schöpfungslehre“, „Schöpfungsforschung“ oder auch „Schöpfungstheorie“, die hier und im folgenden gebraucht werden, bezeichnen nicht etwa den Versuch, den Augenblick der Schöpfung wissenschaftlich zu erklären. Vielmehr verweisen sie auf jenen Denk-/Deutungsrahmen, in welchem das Schöpfungshandeln Gottes (insbesondere am Anfang der Welt) vorausgesetzt wird: „Die Schöpfungslehre versucht nicht, den Schöpfungsakt selbst zu erforschen (Gottes Handeln bleibt ein Geheimnis), sondern sie beschäftigt sich mit der Geschichte der Lebewesen nach ihrer Erschaffung, und versucht zu zeigen, daß die Schöpfung nicht durch ‚Selbstorganisation‘ entstanden ist.“ [33], S. 11. Zur Kritik des Begriffs „Selbstorganisation“ s. [13], S. 32. 

[4] [20], S. 43. 

[5] Vgl. hierzu auch [15], S. 87f. 

[6] Vgl. [20], S. 43; [15], S. 85. 

[7] Vgl. [33], S. 23. 

[8] Ebd.

[9] „Da alle Theorien metaphysische Grundlagen besitzen, stellt sich eine auf die biblische Überlieferung gegründete und von daher motivierte Schöpfungsforschung nicht außerhalb der Wissenschaft. Das Unternehmen ‚Schöpfungsforschung‘ ist wissenschaftstheoretisch legitimiert.“ [13], S. 19; vgl. hierzu auch den Anschnitt „Inwiefern betreffen die Aussagen der Bibel die Wissenschaft?“, ebd. S. 215ff., sowie [33], S. 16ff. Zum häufig vorgebrachten Einwand, die streng materialistische Sicht sei aber metaphysikfrei, s. [31], S. 274. 

[10] Vgl. B. STEINEBRUNNER, Der Sturz der Vernunft, in [27], S. 13ff. sowie [13], S. 14ff. 

[11] Beispiele: [13], S. 217ff.; [1]; [8]; [10]; [11]; [12]; [14]; [27]; [29]; [33]; [34]; [35]. 

[12] Vgl. B. STEINEBRUNNER, Der Sturz der Vernunft, in [27], S. 13ff.; [13], S. 17ff.; [33], S. 22f. 

[13] Vgl. den einleitenden und den abschließenden Abschnitt in [25]. 

[14] R.JUNKER, Christlicher Schöpfungsglaube im Kontext heutiger Wissenschaft – Bericht von einer interdisziplinären Kolloquiumsreihe im Sommersemester 1991 an der Universität Karlsruhe. 

[15] Vgl. [20], S. 20; B. STEINEBRUNNER, Der Sturz der Vernunft, in [27], S. 13ff.; [9]; [15], S. 82ff.; [16]. 

[16] Eine hervorragende Einführung in den Themenkreis Glaube/Vernunft/Wissenschaft/Schöpfung/Evolution ist unlängst JOHN LENNOX von der Universität Oxford geglückt (s. [19]). 

[17] [27], S. 46. 

[18] Vgl. den Abschnitt „Philosophische Schlussbetrachtungen“ in [25]. 

[19] Siehe hierzu beispielsweise [1]; [2], S. 121-171; [5]; [10]; [12]; [18]; [22]; [23]; [25]; [27]; [28]; [35] sowie W.-E. LÖNNIG und F. MEIS (s. Internet-Links). 

[20] Eine auch nur annähernd vollständige Darstellung des aktuellen Stands der Evolutionskritik sowie eine Einführung in alternative schöpfungstheoretische Hypothesen und Modellvorstellungen kann an dieser Stelle aus verständlichen Gründen nicht erfolgen. Dazu sei auf die Liste einschlägiger Literatur und Internet-Links am Ende des Skripts verwiesen. 

[21] Siehe hierzu [13]. Es sei angemerkt, daß das Feld sowohl theistischer als auch atheistischer Ursprungs-/Entwicklungsvorstellungen weit und z. T. unübersichtlich ist. Platte Pauschalisierungen und vorschnelle Etikettierungen verbieten sich daher.

[22] [20], S. 108. Vgl. hierzu auch den Abschnitt „Evolutionstheorie und Evolutionismus“ in [13], S. 53f. 

[23] Aber z. B. auch Schriftsteller wie JÜRGEN DAHL melden sichprofiliertunddeutlichvernehmbarzuWort(s.[17], S. 183ff.). 

[24] [19], S. 101f. LEWIS belegt seine Aussage historisch und mittels „innerer Beweisgründe“ (ebd.). 

[25] Vgl. [20], S. 137ff., aber z. B. auch S. 114ff. (Problem des Übergangs vom Nicht-Leben zum Lebendigen); [13], S. 44f.; [21]. 

[26] Für die hier angesprochene Problematik spielt es im Prinzip keine Rolle, ob man die Entstehung von Neuem innerhalb der in der Bibel beschriebenen siebentägigen Schöpfungswoche verortet, oder ob man eher an das Auftreten von Neuem im Zuge langer Zeiträume denkt. 

[27] [20], S. 137. 

[28] Siehe dazu [20], S. 145ff., sowie [21]. 

[29] [13], S. 44f. F. NIETZSCHE formulierte einmal „faustgrob“
und beinahe schon komisch: „Das Lebende ist nur eine Art des Toten, und zwar eine sehr seltene.“ (Zitiert in [17], S. 41.). 

[30] Die Wendung „nichts weiter als“ ist in diesem Zusammenhang charakteristisch (vgl. hierzu J. LENNOX ́ Ausführungen zum ontologischen Reduktionismus in [19], S. 36ff.). LÖW stellt klar: „Der angemessene Ort für das, was am Reduktionismus richtig ist, ist die Tatsache, daß das Neue in der Tat auch aus Materie besteht, auch physikalischen, chemischen, biologischen, psychologischen Naturgesetzen gehorcht, von denen die erste nicht ausreicht, um Subjektivität, Seele, Geist zu erklären, von denen die zweiten ebenso wenig zureichen, Handeln, Ethik, Freiheit zu begreifen.“ [20], S. 148. 

[31] Man bedenke: „Alle naturwissenschaftlichen Lebensdefinitionen sind Nominaldefinitionen, welche das ontologische Moment am Lebendigen, das Selbst-Sein, ausblenden.“ (R. LÖW in [17], S. 41.) Ein solches „Kleindefinieren“ des Lebens stellt freilich die Voraussetzung dafür dar, daß eine naturwissenschaftliche Erklärung des Übergangs vom Nicht-Leben zum Lebendigen überhaupt je gelingen kann (vgl. auch [31], S. 254ff.). 

[32] Insofern besitzen Chemiker, Physiker und Biologen hinsichtlich der Frage, wie Leben zu definieren sei, keinerlei Kompetenzvorsprung gegenüber Hausfrauen, Musikern oder Klempnern. 

[33] „Wir glauben, dass wir rationale menschliche Wesen sind. Diese Annahme ist so zentral für alles Denken, dass wir ihre Gültigkeit nicht einmal in Frage stellen können, ohne sie zuvor selbst vorauszusetzen, damit wir mit unserem Verstand das In-Frage-Stellen leisten können! Sie ist die Kernüberzeugung, auf die alles intellektuelle Nachforschen aufbaut. Der Theismus gibt ihr eine rationale Rechtfertigung. Der Naturalismus scheint dazu nicht in der Lage zu sein.“ [19], S. 44. 

[34] [20], S. 148.

[35] [13], S. 44. 

[36] Vgl. [21]. 

[37] Ebd. 

[38] Vgl. [31]; [21]; R.SPAEMANN, Teleologie, in [30], S.
366ff.; F. M. WUKETITS, Biologie und Religion – Warum Biologen ihre Nöte mit Gott haben, in [26], S.2ff.; F. M. WUKETITS, E. MAYR u. a. zitiert in [13], S. 31. 

[39] „Die Frage nach dem Status der Teleologie ist die Frage danach, als was wir uns selbst verstehen wollen, genauer gesagt, die Frage danach, ob wir uns überhaupt als so etwas wie ein ‚Selbst‘ verstehen wollen. Kausale Analyse kennt ihrer Natur nach nicht so etwas wie Selbstsein, sie kennt nur abhängige Variable.“ [31], S. 290. 

[40] „Im übrigen konstituiert sich uns jene kausal determinierte ‚Objektivität‘, auf die wir Leben zu reduzieren suchen, immer erst in Handlungszusammenhängen, d. h. in teleologischen Kontexten. Um einen gesetzmäßigen Kausalzusammenhang festzustellen, müssen wir zuvor ein Telos im Sinne eines Endzustandes festsetzen, mit Bezug worauf dann ein anderer Zustand als Ursache ausgezeichnet wird. Wir müssen ein Segment bilden, das so ‚von Natur‘ nicht existiert.“ R. SPAEMANN in [30], S. 367. 

[41] [19], S. 26.
[42] Siehe hierzu z. B. die sehr aufschlußreiche Dissertation 

von R. Eraßme ([4], und dort insbesondere S. 106-316.).
[43] Vgl. [20], S. 117.
[44] R. LÖW in [17], S. 41.
[45] Zu diesem ebenso schockierenden wie traurigen Ergebnis kommt nicht irgend jemand, sondern der bedeutende Biologe und Philosoph F. M. WUKETITS (F. M. WUKETITS, Biologie und Religion – Warum Biologen ihre Nöte mit Gott haben, in [26], S. 4.). 

[46] Aus [21].

[47] R. LÖW in [17], S. 41.

[48]  Vgl. [20], S. 133f. 

[49] Vgl. [16], S. 17.

[50] Ebd.

[51] Vgl. S. SCHERER, Probleme makroevolutiver Hypothesen, in [27], S. 45f.; [12], S. 135ff.; [19], S. 66ff.; H. BINDER, Entstehung des Lebens, in [26], S. 12ff.; [25], S. 2ff.; P. IMMING, Eine neue Erklärung für die Entstehung der Homochiralität?, in [35], 8. Jg./Heft 1 (April 2001), S. 34ff.; K. WEINDEL, „RNA-Welt“ – Chemisches Missing Link zwischen Ursuppe und ersten Zellen?, in [35], 8. Jg./Heft 2 (Oktober 2001), S. 72ff.; H. BINDER, Experimentelle Details zu einer populären Idee der Lebensentstehung, in [35], 11. Jg./Heft 1 (Mai 2004), S. 33f. 

[52] S. SCHERER, Probleme makroevolutiver Hypothesen, in [27], S. 45f. 

[53] Vgl. [12], S. 149. 

[54] Vgl. [5]; [19], S.71ff.; W. KUHN, Heute noch an
Schöpfung glauben? Der Irrtum von einer Selbstorganisation der Materie, in [2], S. 157ff., sowie F. MEIS (s. Internet-Links). 

[55] [5], S. 220f. 

[56] Ebd. 

[57] S. SCHERER, Probleme makroevolutiver Hypothesen, in [27], S. 46. 

[58] Hierzu sehr instruktiv: W.-E. LÖNNIG, F. MEIS und
M. RAMMERSTORFER (s. Internet-Links). Vgl. auch [19], S. 62ff. 

[59] Vgl. [5], S. 338ff.; [12], S. 80ff., 129ff., 304f.; M. BEHE, zitiert in [18]. 

[60] [3], S. 245.

[61] [12], S. 83. 

[62] Vgl. [5], S. 338ff. 

[63] Ebd., S. 343. 

[64] Gemeint sind hiermit solche Prozesse, bei denen
neuartige Organe, Strukturen, Bauplantypen oder auch
qualitativ neue Gene entstehen. 

[65] [20], S. 113.

[66] Zitiert in [18]. Vgl. auch [19], S. 114ff.

[67] R. JUNKER, Mosaikformen – Übergangsformen – Gibt es „connecting links“?, in [26], S. 18. 

[68] Ebd., S. 19. 

[69] Vgl. [20], S. 28ff., S. 36ff., S. 116f.; [19], S. 18ff.; B. STEINEBRUNNER, Der Sturz der Vernunft, in [27],  S. 13ff.; [12], S. 12ff.; W. BÜCHEL, Naturwissenschaften – IV Selbstbeschränkung der Naturwissenschaft, in [30], S. 224; M. KÄMPFER, Wissenschaft – Pseudowissenschaft: Ein einführender Beitrag über die Abgrenzungsschwierigkeiten (Teile 1-3), in [35], 7. Jg./Heft 1 (April 2000), S. 19ff., 7. Jg./Heft 2 (Oktober 2000), S. 67ff., 8. Jg./Heft 1 (April 2001), S. 16ff.; [6]; [7]; [8]. 

[70] Aus [21]. 

[71] [20], S. 111. 

[72] F. M. WUKETITS, Biologie und Religion – Warum
Biologen ihre Nöte mit Gott haben, in [26], S. 2. 

[73] Mit dieser als kontraintuitiv zu bezeichnenden Sichtweise liegt WUKETITS hier ganz auf der Linie von FRANCIS CRICK („Biologen müssen sich ständig ins Gedächtnis rufen, dass das, was sie sehen, nicht geplant wurde, sondern sich entwickelte.“) oder auch RICHARD DAWKINS („Lebende Objekte [...] sehen wie geplant aus, sie erwecken den überwältigenden Eindruck, als seien sie geplant.“). Zitate aus: [19], S. 90. Für WUKETITS zählen nur „harte Tatsachen“. Gott, „den der Homo sapiens einst in seinem Erklärungsnotstand erfunden hat“, hat ausgedient: „Das Gehirn schuf sich seine Götter, nicht umgekehrt; also kann dieses Gehirn die Götter auch wieder abschaffen. Es würde damit seinen ‚Träger‘ von einer großen Last befreien ...“ (F. M. WUKETITS, Biologie und Religion– Warum Biologen ihre Nöte mit Gott haben, in [26], S. 5.) Man ersetze hier die Begriffe „Gott“ bzw. „Götter“ einmal durch „Evolution“, „Selbstorganisation“, „Phylogenie“ o. ä. Wer hat nun also wen geschaffen, Gott den Menschen oder der Mensch Gott? „Niemand hat nichts geschaffen“, bemerkt LÖW spöttelnd. „‚Es‘ ist bloß etwas übriggeblieben. ‚Gott‘ ist ein genotypisch selektionspositives Memprodukt.“ [20], S. 130. 

[74] [31], S. 86f. 

[75] [24], S. 139.